Vergleichsportale sind für viele der erste Schritt bei Verträgen über Strom, Versicherungen, Reisen oder Kredite. Sie leisten dabei tatsächlich etwas, weil sie Angebote sichtbar machen, die man sonst einzeln suchen müsste. Die Liste, die dabei entsteht, ist allerdings kein Qualitätsranking.
Wer überhaupt gelistet wird
Portale finanzieren sich über Provisionen der vermittelten Anbieter. Wer keinen Vertrag mit dem Portal hat, erscheint in der Regel nicht, auch wenn sein Angebot günstiger wäre. Das ist der größte blinde Fleck jedes Vergleichs. Eine Untersuchung des Bundeskartellamts zu Vergleichsportalen hat zudem gezeigt, dass die Platzierung häufig davon abhängt, ob ein Anbieter überhaupt Provision zahlt.
Seriöse Portale weisen aus, wie viele Anbieter eines Marktes sie abdecken. Fehlt diese Angabe, lässt sich die Vollständigkeit nicht beurteilen.
Die Voreinstellung bestimmt das Ergebnis
Jeder Vergleich beruht auf Annahmen: Verbrauch, Laufzeit, Selbstbehalt, Zahlungsweise. Diese Werte sind voreingestellt und verändern das Ergebnis erheblich. Wer die Voreinstellung übernimmt, vergleicht nicht seinen Fall, sondern einen Standardfall.
Besonders wirksam sind Filter, die Boni und Wechselprämien einrechnen, etwa beim Vergleich von Stromtarifen. Sie machen Angebote im ersten Jahr günstig und im zweiten teuer, was in der Sortierung nicht sichtbar wird.
Gekennzeichnete Platzierungen
Rechtlich müssen bezahlte Platzierungen erkennbar sein, und die Hauptkriterien der Sortierung sind offenzulegen. Umgesetzt wird das häufig in einem Hinweistext, der wenig gelesen wird.
Praktisch hilft die Frage, ob sich die Sortierung ändern lässt. Wo eine Sortierung nach reinem Preis möglich ist, lässt sich die vorgeschlagene Reihenfolge gegenprüfen. Wie sich solche Fragen in die größere Debatte über Zugang und Gleichbehandlung im Netz einordnen, behandelt Pro-Netzneutralität.
Hinzu kommt ein Effekt, der selten benannt wird: Portale prägen, worüber überhaupt verglichen wird. Wo eine Eigenschaft nicht als Filter existiert, taucht sie in der Entscheidung kaum auf, selbst wenn sie im Alltag wichtiger wäre als der Preisunterschied von wenigen Euro.
Bewertungen als schwache Grundlage
Nutzerbewertungen sind bei Verträgen wenig aussagekräftig, weil sie meist direkt nach Abschluss abgegeben werden. Die Qualität eines Versicherers zeigt sich im Schadenfall, also Jahre später, und diese Erfahrung fließt selten zurück.
Aussagekräftiger sind Auswertungen von Beschwerdestellen und Testberichte unabhängiger Institutionen, die Vertragsbedingungen inhaltlich prüfen. Woran sich seriöse Test- und Bewertungsportale erkennen lassen, ist dabei eine eigene Prüfung wert.
Wofür Portale trotzdem taugen
Als Marktüberblick sind sie nützlich. Sie zeigen die Preisspanne, machen Leistungsunterschiede sichtbar und liefern eine Vorauswahl. Der Abschluss muss nicht über das Portal erfolgen, und ein direkter Blick auf die Website des Anbieters lohnt fast immer.
Bei Versicherungen empfiehlt sich zusätzlich der Vergleich der Bedingungen, nicht nur der Prämie. Zwei Tarife mit gleichem Preis können sich im Leistungsumfang deutlich unterscheiden.
Der Wechselreflex
Portale sind darauf ausgelegt, einen Abschluss auszulösen. Ein jährlicher Wechsel lohnt in manchen Märkten und in anderen nicht, etwa wenn Wartezeiten neu beginnen oder Gesundheitsfragen erneut gestellt werden, wie es bei einer neuen Zahnzusatzversicherung üblich ist.
Deshalb ist die erste Frage nicht, welcher Anbieter der beste ist, sondern ob ein Wechsel im konkreten Fall überhaupt sinnvoll ist.
Bei Verträgen mit langer Laufzeit lohnt zudem der Blick auf die Kündigungsfristen, die in Vergleichen selten auftauchen und im Alltag den größeren Ärger verursachen als ein paar Euro Preisunterschied.
Was sich in zwei Minuten prüfen lässt
Marktabdeckung suchen, Sortierung auf reinen Preis umstellen, Voreinstellungen an den eigenen Fall anpassen und eine Stichprobe direkt beim Anbieter gegenprüfen. Diese vier Schritte kosten wenig Zeit und verändern das Ergebnis regelmäßig.
Wer sie einmal durchführt, entwickelt außerdem ein Gefühl dafür, welche Portale in welchem Markt brauchbar arbeiten.
Häufige Fragen
Sind Vergleichsportale unabhängig?
Sie finanzieren sich über Provisionen der vermittelten Anbieter. Nichtteilnehmer erscheinen meist gar nicht, weshalb die Liste den Markt nur teilweise abbildet.
Warum ändert sich das Ergebnis mit den Filtern?
Weil jeder Vergleich auf Annahmen zu Verbrauch, Laufzeit oder Selbstbehalt beruht. Voreingestellte Werte bilden einen Standardfall ab und nicht die eigene Situation.
Wie aussagekräftig sind Nutzerbewertungen?
Bei Verträgen wenig. Sie entstehen meist direkt nach Abschluss, während sich die Qualität eines Anbieters erst im Leistungsfall zeigt.